1877
Weinheimer Bürger gründen ein „Komitee zur Errichtung einer Gasbeleuchtung“.
Am 09.02.1877 erfolgt die Eingabe beim Gemeinderat, ob dieser geneigt sei,
die Kosten für die Einführung einer Gasbeleuchtung zu übernehmen. Die „neuzeitliche“
Gasversorgung sollte das Petroleum ersetzen. Durch Beschluss des Gemeinderates
vom 15.10.1877 wird dem Ingenieur C. Mayer aus Köln die Konzession zur Erstellung
und Betrieb einer Gasfabrik erteilt.
1884
Nachdem der Ingenieur C. Mayer das Kapital für den Bau einer Gasfabrik
nicht aufbringen konnte, wurde die Konzession am 26.11.1884 auf den Ingenieur
O. Smreker in Mannheim übertragen. Dieser errichtete die „Gasanstalt“ im
Gewann „Breitwiesen“ an der Stahlbadstraße am 01.01.1886.
1886
...konnten aus
dieser Gasanstalt die ersten Gaslaternen gespeist werden. Im April 1886
übernimmt die neugegründete „Aktiengesellschaft Gaswerk Mannheim“ die Anlage.
Die Gasbrenner dieser Zeit verursachten einen relativ hohen Gasverbrauch
und entsprechende Kosten. Die Rentabilität des Gaswerks war nicht besonders
wirtschaftlich, da der Gasabsatz in dieser Zeit nicht sonderlich stieg. Erst
die Erfindung des Glühstrumpfes brachte die Wende.
1893
Nur 120 private Konsumenten
besaßen einen Gasanschluss.
1908
Bürgermeister Ehret und Bankdirektor Zinkgräf
bemühten sich seit einigen Jahren, das Gaswerk in den städtischen Besitz
zu überführen. Am 08.01.1908 erfolgte der Ankauf der letzen Aktion, womit
das Werk in den städtischen Besitz überging. Die Kaufsumme betrug 369.481,69
Deutsche Mark.
Die Direktion setzte damals folgende Gaspreise fest:
- Leuchtgas 21 Pfennig
- Heiz- und Kochgas 15 Pfennig
- Motorengas 12 Pfennig
- Staatsbahn 20 Pfennig
- Fa. C. Freudenberg 15 Pfennig
- Krankenhausküche 14 Pfennig
- Einheitspreis pro m3 18 Pfennig
Für einen Stundenlohn konnte man damals 1,5 bis 2 m³ kaufen,
was nicht gerade billig war. Im Juni schied Direktor Völker, der seit 1884
das Gaswerk mustergültig geführt hatte, aus dem Dienstverhältnis aus. Mit
ihm auch der Gasmeister Peter Liebig. Neuer Direktor wurde am 01.07.1908
Wilhelm Vogt, unter dessen technischer und kaufmännischer Leitung das Gaswerk
und auch das (alte) Wasserwerk zusammengefasst wurden.
1894
Das Gasrohrnetz
betrug eine Länge von 19,466 km.
1926
Zu diesem Zeitpunkt war das Gaswerk
total veraltet. Daraufhin entschloss sich die Gemeinde, das Gas über eine
Fernleitung vom Gaswerk in Mannheim zu beziehen. Ein langfristiger Liefervertrag
wurde damals geschlossen.
1945
Die Gasabgabe betrug nach dem 2. Weltkrieg
1.054.900 cbm. Dies entspricht einer Leistung von 4.420.000 kWh.
1964
Da
sich seit 1945 der Gasverbrauch fast verzehnfacht hat, war mit dem vorhandenen
Niederdrucknetz mit Stemmmuffen eine sichere Versorgung nicht mehr gewährleistet.
Ein Mitteldruckring mit Reglerstationen wurde dem Niederdrucknetz überlagert,
der alle Gebiete der Stadt umschloss. 1967 war der Ausbau des Ringes abgeschlossen.
1970
Als erste Stadt im Rhein-Neckar-Raum erhalten die Stadtwerke Weinheim
„Holländisches Erdgas“. 16.000 Geräte müssen auf das neue Gas mit einem Brennwert
von 8.650 kcal umgestellt werden. Die Aktion wurde am 07.05.1971 abgeschlossen.
1973
Der Gaskessel am „Breitwieserweg“, ehemals „Breitwiesen“, der über
80 Jahre das Niederdrucknetz versorgt hat und der mit als ein Industrie-Wahrzeichen
der Stadt Weinheim gelten darf, wird abgerissen.
1978
Die Stadtwerke erhalten
aus Mannheim das Erdgas (H-Gas), das überwiegend aus den Fördergebieten der
Nordsee und aus Russland kommt. Wiederum müssen rund 17.100 Geräte auf die
neue (höhere) Gasqualität umgestellt werden. Im Juli 1978 ist auch diese
Umstellung abgeschlossen.
1980
Zusammen mit der ansässigen Industrie beträgt
die Gasabgabe 48.903.807 cbm, was 552.613.025 kWh entspricht. Die Gasabgabe
hat sich somit seit 1945 um mehr als das Hundertfache (!) erhöht.
1985
Im Jahre 1985 strömt „Nordseegas“ bis in den Ortsteil Hohensachsen.
Noch im gleichen Jahr erhalten die Bürger in der Weinheimer Straße in Lützelsachsen
die Möglichkeit, auf Erdgas umzustellen.
1986
In diesem Jahr jährt sich die
Erdgasversorgung in und um Weinheim zum 100. Male.
1987
In diesem Jahr war
der Mengenzuwachs an Erdgas sehr groß: Mit 640 Millionen kWh lag er um 25,3
Prozent über 1986 und auch über der bisher höchsten, von den Gaskunden der
Stadtwerke Weinheim geförderten Menge von 580 Millionen kWh im Jahre 1984.
1988
In diesem Jahr markiert der Gaslieferungsvertrag mit Hemsbach einen
weiteren Meilenstein. „Das Erdgas sucht sich 1988 seinen Weg nach Norden“
lautete die Überschrift in der Tageszeitung. Auch Sulzbach wurde in diesem
Jahr an das Erdgasnetz angeschlossen. Der Verbrauch von 640 Millionen kWh
Erdgas anstelle von leichtem Heizöl bewahrte die Luft über dem Stadtgebiet
vor 140 to Schwefeldioxid und 44.000 to Kohlendioxid.
2001
Die Stadtwerke
Weinheim GmbH unterzeichnet einen Vertrag mit den Gaslieferanten WINGAS.
Das Gas aus Sibirien soll die Versorgung der rund 10.000 Gaskunden der Stadtwerke
sichern.
2004
In unmittelbarer Nähe der WINGAS-Übergabestation (Netzkopplungspunkt)
wurde im Juni 2004 mit dem Bau einer Erdgasoptimierungsanlage in der Gemarkung
Sulzbach begonnen.
2005
Bereits Ende 1996 haben die Stadtwerke begonnen den
eigenen Fuhrpark auf Erdgasbetrieb umzustellen. Dazu wurde eine kleine Betriebshoftankstelle
errichtet. 2005 wurde mittlerweile das 30. Dienstfahrzeug in Betrieb genommen
und die Kapazität der Tankstelle war damit endgültig überschritten. Am 10.
Mai war es dann soweit und die erste öffentliche Erdgastankstelle in Weinheim
wurde auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Weinheim GmbH eröffnet.
2009/2010
Erdgas ist vielseitig – in Weinheim werden bereits 6 erdgasbetriebene Blockheiz-kraftwerke
und 25 Heizzentralen versorgt. Beispielsweise versorgt das BHKW im HaWei
(Hallenbad Weinheim) den Eigenbedarf und das Neubaugebiet „Unter den Burgen“
in Weinheim.
Links:
www.sww.de/de/Service/Online-Service/Flyer-und-Broschüren.php
www.sww.de/de/Stadtwerke/Presse
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Jahre alt und heute noch voll im Trend – im Fokus der alte Gaskessel im Gewann "Breitwiesen"